Politik und Gesellschaft
Der christliche Glaube gibt keine Gesellschaftsordnung vor; Politik bezieht sich auf die vorletzten Dinge. Doch kennt das Christentum von Beginn an die Scheidung einer weltlichen Sphäre und einer Sphäre der religiösen Suche nach dem Heil.
Biblisch finden sich viele Motive, die dem politischen Interesse eine Richtung geben können: die Tradition der Herrschaftskritik und Herrschaftsberatung durch die Propheten, Kritik an Heuchelei, die Verheißung der Befreiung aus Knechtschaft, aber auch das Wissen um die Korrumpierbarkeit des Volkes. Im neuen Testament ist es vor allem die Orientierung an den Letzten, den Elenden, und eine Vorstellung von Gerechtigkeit, die weltliche Verdienstlogiken immer wieder überraschend durchbricht.
Daraus ergibt sich die Motivation, soziale und wirtschaftliche Verhältnisse und Entscheidungen kontinuierlich zu begleiten und immer wieder neu zu fragen, wer jeweils diese „Letzten“ sind und mit welchen Erscheinungsformen von Unfreiheit die Gesellschaft zu kämpfen hat. Systemdebatten müssen dabei stets im Blick haben, dass es letztlich um die Person geht – darum, was ihr hilft oder sie hindert, sich auf die Suche nach ihrer Bestimmung zu machen und ihre Potentiale zu entäußern. Damit ist auch der vermeintlich vorpolitische Raum der Kultur, der Mentalitäten und Lebensmuster einbegriffen.







