
Der Akademieabend widmet sich dem menschlichen Gedeihen auf der Grundlage neurowissenschaftlicher Forschung, die Joachim Bauer in seinem neuen Buch „Fundamental Things. Über Vernunft, Moral und Empathie – Was es bedeutet, Mensch zu sein“ (Herder 2026) für grundsätzliche Fragen individueller und gesellschaftlicher Entwicklung fruchtbar macht. Dabei geht es ihm um einen ganzheitlichen Ansatz, wie er auch in der Enzyklika Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ zum Ausdruck kommt.
Zu den Voraussetzungen für gelingendes Leben gehören nicht nur die materiellen Voraussetzungen unserer Existenz, sondern auch die dem Menschen zur Verfügung stehenden immateriellen Werkzeuge und Potentiale. Die Einengung unseres Verständnisses von „Vernunft“ auf technische oder ökonomische Aspekte unterliegt dem gleichen fundamentalen Irrtum wie die derzeit überall praktizierte Einengung des Begriffs der „Intelligenz“ auf Rechenleistung. Vernunft, Moral und Empathie sind Erkenntnis-Derivate, die gelingendes menschliches Zusammenleben zur Grundlage und zum Ziel haben. Die immateriellen Werkzeuge, mit denen wir soziales Zusammenleben regeln, wirken auf die materiellen Grundlagen zurück: Kinder, die von ihren Bezugspersonen keine Vernunft, keine Moral und keine Empathie erfahren, werden – auch körperlich – Entwickungsstörungen erleiden. Ohne Vernunft, Moralität und Empathie kann es aber auch für Erwachsene kein gelingendes Leben geben.
Im Gespräch mit Pater Klaus Mertes SJ wird Joachim Bauer auch die Konsequenzen seiner Erkenntnisse für das Verständnis von Bildungs- und Lernprozessen erläutern.
Prof. Dr. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Psychiatrie und in beiden Fächern auch habilitiert. Für herausragende neurowissenschaftliche Forschung, die ihn zeitweise auch in die USA führte, wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie mit dem Organon- Forschungspreis ausgezeichnet. Er ist Professor emeritus an der Universität Freiburg, Gastprofessor an der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin und Dozent an einem Berliner Ausbildungsinstitut für Psychotherapie. Des Weiteren ist Joachim Bauer Autor zahlreicher Veröffentlichungen und erfolgreicher Bestseller-Sachbücher. Bei Herder erschien zuletzt „Das empathische Gen“ (2021).
Pater Klaus Mertes SJ studierte nach seinem Abitur 1973 klassische Philologie und Slawistik in Bonn, nach seinem Eintritt in den Jesuitenorden 1977 Philosophie in München und Theologie in Frankfurt. Seit 1990 war er im Schuldienst tätig, zunächst 1990-1993 an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg, 1994-2011 am Canisius-Kolleg in Berlin, dessen Rektor er seit 2000 war. Von 2011 bis 2020 war er Kollegdirektor am internationalen Jesuitenkolleg in St. Blasien. Derzeit ist er Superior der Jesuitenkommunität in Berlin-Charlottenburg und Redaktionsmitglied der Kulturzeitschrift „Stimmen der Zeit“.

