Veranstaltungsarchiv

VERANSTALTUNG FÄLLT AUS – Liebe, politisch: Agape

Termin: 19.03.2020
Beginn: 20:00 Uhr
Ort: Club der polnischen Versager, Ackerstr. 168, 10115 Berlin, (U8 Rosenthaler Platz)

Wir haben wenig Zeit große Philosophen zu lesen, und im Zweifel verstehen wir sie nicht mal. Wir haben nicht die Zeit, über Gott und die Welt lange nachzusinnen, und wir haben nicht wirklich in die Tiefen geschaut, die unter der Oberfläche des uralten christlichen Glaubens liegen. Wir ahnen sie nur. Kennen vielleicht ein paar, wüssten gerne mehr.

In den Tauchgängen sprechen Theologinnen und Theologen, Philosophinnen, Dichter und Künstler über einzelne Aspekte im Glauben, die sie besonders groß oder schön finden, die sie besonders berührt haben – mal war das ein Film, eine Musik, ein philosophisches Problem. Sie werden es uns erklären, so dass wir es auch verstehen, helfen uns, etwas tiefer zu schauen und wir müssen nichts anderes tun, als: im Sessel sitzen – Bierchen in der Hand – und zuhören.

 

Dass Liebe mehr ist als ein schönes Gefühl und gleichzeitig weder vernünftig noch logisch, das wissen die meistens allein schon aus Erfahrung. Und dass es unterschiedliche Arten von Liebe gibt, auch.

Eines der griechischen Worte für Liebe, agape, übersetzen wir zumeist schlicht mit „Nächstenliebe“ und meinen damit die Liebe, zu der man sich manchmal auch durchringen muss. Aber darin ist ihre Bedeutung längst noch nicht erschöpft. Denn Liebe als agape beinhaltet noch mehr:

Liebe als agape kann eine neue Vision von Geschichte fördern. Sie kann kritische Instanzen gegenüber den Machtmechanismen und den entfremdenden Strukturen der zeitgenössischen globalen Welt freisetzen. So bildet agape eine echte reaktive Kraft gegenüber Gewalt in den verschiedensten Erscheinungsformen, dem Verlust von Sinn, gegenüber Zukunftslosigkeit und einem zunehmenden Zynismus und Fundamentalismus in der Gesellschaft weltweit. Damit ist diese Idee von Liebe als agape zutiefst politisch und längst nicht nur für Christen relevant und interessant.

Eben diese politische Dimension der Liebe haben in den letzten Jahrzehnten auch viele Autoren aus dem nichtreligiösen Bereich – wie die Philosophen Alain Badiou und Slavoj Žižek und der Psychoanalyst Jacques Lacan – gesehen und stark gemacht. Sie zeigen, wie wichtig und notwendig ein konstruktiver Dialog zwischen biblischer Theologie und säkularer Philosophie, Literatur und Psychoanalyse ist – jenseits einer bloß romantischen Rhetorik der Liebe.

Isabella Guanzini wird mit uns im vierten Tauchgang 2020 entdecken, welche politische und gesellschaftliche Kraft in der agape eigentlich liegt – und was das für unsere Kontexte bedeuten kann.

 

Isabella Guanzini ist seit September 2019 Professorin für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Privatuniversität Linz. Von 2016 bis 2019 war sie Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Graz. Die gebürtige Italienerin unterrichtete zunächst Philosophie und Sozialwissenschaften, später außerdem Fundamentaltheologie und Ästhetik, u.a. in Mailand an der Theologischen Fakultät von Norditalien und an der Università Cattolica del Sacro Cuore. Sie war außerdem wissenschaftliche Managerin der interdisziplinären Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary European Society“ der Universität Wien und ebendort auch Dozentin.

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Gastreferenten
Prof. Dr. Isabella Guanzini
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Referentin
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