
Call for Papers
Für die nächste Tagung des Berliner Kirchenbauforums ist nun der Call for Papers online.
Diesen finden Sie unten unter Downloads und hier im Fließtext:
Moderne außer Dienst?
Kirchenbau, Ausstattung und Kunst des 20. Jahrhunderts im Spannungsfeld heutiger Entwicklungen
Tagung in der Katholischen Akademie in Berlin e. V., 19.11.-22.11.2026, Einreichungsfrist: 30.4.26
„Angesichts der Tatsache, dass die Institution des Katholizismus und Protestantismus in Fragen der Entwicklung von Gesellschaft oft radikal konservative Positionen einnahm, ist es erstaunlich, dass Ideen und Konzepte der Moderne den Kirchenbau kaum später erreichten, als den Bau von Wohnhäusern und Werkhallen.“
(Rudolf Stegers, Entwurfsatlas Sakralbau, 2008)
Betrachtet man allein ihre Anzahl, bilden Kirchen des 20. Jahrhunderts im heutigen Bestand sakraler Bauten die Mehrheit. Trotzdem werden die Werke älterer Epochen landläufig weitaus mehr wahrgenommen und geschätzt. Vor allem die historistischen Kirchen des 19. Jahrhunderts setzten einen Maßstab, gegenüber dem sich die teils recht experimentellen Bauten des 20. Jahrhunderts bis heute behaupten müssen. Haben diese modernen Konzepte vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen bereits ausgedient?
Liturgische Reformbewegungen, neue soziale Anforderungen, zwei Weltkriege, Wiederaufbau und Wirtschaftswunderzeit, das Zweite Vatikanische Konzil und vor allem innovative Einflüsse aus Kunst und Architektur haben den Kirchenbau seit der Jahrhundertwende grundlegend verändert. Nicht nur das Äußere hat sich neu definiert, auch in der künstlerischen Ausstattung wurden zeitgemäße Wege beschritten. Dabei hat sich das, was seinerzeit in beiden Konfessionen als progressiv oder konservativ wahrgenommen wurde, in späterer Perspektive relativiert und sogar teils ins Gegenteil verkehrt. Heute stehen katholische wie evangelische Kirchengemeinden vor immensen Herausforderungen, mit ihrem Bestand umzugehen, ihn zu erhalten, für eine fremde Nutzung freizugeben oder sogar abzureißen.
Die geplante Tagung will sich mit diesen vielschichtigen Entwicklungen des Kirchenbaus und der Ausstattungskunst im 20. Jahrhundert auseinandersetzen. Welche Zugänge zum Thema Kirchenkunst und -architektur bestanden im Laufe von sechs unterschiedlichen politischen Systemen und welches Umfeld hat die Künstlerinnen und Künstler geprägt?
Zielsetzung der Tagung ist, die Relevanz der Sakralbauforschung für heutige Entwicklungen hervorzuheben. Erwünscht für einen interdisziplinären Austausch sind Beiträge zu Sakralarchitektur, Ausstattung, Funktion und Raumgestaltung und vor allem ihrer Rezeption. Wir freuen uns über Referentinnen und Referenten aus den Bereichen Architektur und Stadtplanung, Geschichtswissenschaften und Kunstgeschichte, Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Theologie, Religionswissenschaften sowie angrenzender Gebiete und dabei besonders über junge Vortragende.
Interessierte sind eingeladen, ein einseitiges Exposé (max. 3000 Zeichen) als PDF für einen 30-minütigen Vortrag (zzgl. kurzer Aussprache) inklusive eines kurzen CV bis 30.4.2026 an team@berlinerkirchenbauforum.de zu senden. Konferenzsprache ist deutsch. Es ist geplant, die Beiträge in der Schriftenreihe des Berliner Kirchenbauforums zu publizieren.
Begleitend zu der Konferenz ist ein Ausstellungsprojekt mit regionalem Schwerpunkt vorgesehen.
Einsendeschluss: 30.4.2026
Veranstalter der Tagung ist das Berliner Kirchenbauforum an der Katholischen Akademie in Berlin e.V.: Dr. Anke Blümm (Universität Erfurt), Dr. Arvid Hansmann (Greifswald), Dr. Manuela Klauser (Universität Bonn), Dr. Konstantin Manthey (Berlin), Dr. Verena Smit (Leverkusen), Dr. Marina Wesner (Berlin), Peter Wohlwender (TU Dresden).
Veranstaltungsort: Katholische Akademie in Berlin e.V., Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin
Die Katholische Akademie hat ein Budget für Fahrt- und Übernachtungskosten, ein Kontingent an bezahlten Hotelzimmern ist vorhanden.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.berlinerkirchenbauforum.de
Stichworte für mögliche Themen:
Liturgische Bewegung, Reform der Kunstgewerbeschulen, Christliche Künstlernetzwerke, Avantgarde-Kunst und Haltung der Amtskirche, internationale Tendenzen in der Architektur, Kirchenbau- und Ausstattung, der Austausch und Diskurs in der akademischen Ausbildung und Lehre, Kunst und Kirche im Kontext totalitärer Systeme Staats-Kirchenverhältnis (NS-Zeit, DDR,…), Neugestaltung der Pfarrstrukturen, Reaktionen auf Flucht- und Migrationsbewegungen, Entwicklungen nach Ende des Kalten Krieges, politische und kulturelle Vielfalt, religiöse Pluralität und demografischen Wandel bis 2000.

