
In unruhigen Zeiten sehnen viele Menschen sich nach Überschaubarkeit und Sicherheit. Die Welt soll aufhören, so unheimlich und unverständlich zu sein, Probleme sollen definitiv gelöst werden. Die Sehnsucht nach Eindeutigkeit lässt uns leicht vergessen, wie wichtig gerade das Uneindeutige, das Nichtgelöste, das Unheimliche für unser Denken sind.
Hannah Arendt hat in Zeiten, in denen totalitäre Systeme das Denken der Freiheit zu ersticken drohten, unverdrossen an der „unordentlichen Tätigkeit des Denkens“ und am Lob der Freiheit festgehalten. In seinem Buch „Die Unheimlichkeit der Welt“ erläutert Matthias Bormuth, inwiefern für Arendt das eigentlich Unheimliche eine scheinbar geordnete, aber entmenschlichte Welt ist.
Mit ihm ins Gespräch geht die Schriftstellerin Nora Bossong. Sie hat sich in ihrem literarischen Werk vielfach mit dem Übergang vom Heimlichen zum Unheimlichen beschäftigt. Beide Referenten lassen sich auch nach dem Anspruch des Glaubens fragen, und ob er helfen kann, „ein wenig Sicherheit im Umgang mit besonderen Fragen zu erwerben“, wie Hannah Arendt das Lernziel ihrer Kurse im Selbstdenken umschrieb.

