
Bis ins 11. Jahrhundert reicht die Geschichte der Drusen zurück – einer religiösen Minderheit im Nahen Osten. Ihre Gemeinschaft lebt vor allem im Süden Syriens, im Libanon und in Israel. Immer wieder haben Drusinnen und Drusen eine wichtige gesellschaftliche und politische Rolle gespielt – so zum Beispiel im Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft. Nicht wenige bedeutende Dichter, Musikerinnen und Politiker der Region waren Drusen.
Nach Ende des syrischen Bürgerkriegs, im Juli 2025, wurden die Drusen und andere Einwohner der Provinz Suweida Opfer eines Massakers. Die Ereignisse verschärften die ohnehin schwierige Lage der Minderheit, von denen mittlerweile fast 2000 in Berlin und Brandenburg leben.
Der Abend wird Einblicke geben in den Glauben der Drusen, in ihre Geschichte, in ihre Musik und die Poesie, die sie erdacht haben – und ihre heutige politische Situation im Nahen Osten und Berlin deutlich machen.
Yahya Alaous arbeitete in Syrien als politischer Korrespondent einer großen Tageszeitung. Wegen seiner kritischen Berichterstattung saß er von 2002 bis 2004 im Gefängnis. Nach der Entlassung wechselte er zu einer Untergrund-Webseite und schrieb unter Pseudonym für eine Oppositions-Zeitung. Als es in Syrien zu gefährlich wurde, flüchtete er mit seiner Familie nach Deutschland. In der SZ schreibt Yahya Alaous regelmäßig über Mein Leben in Deutschland. Er ist Vorsitzender der Drusischen Gemeinde e.V.
Dr. Leila Atrache studierte Arabistik, Mittlere und Neuere Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Göttingen und promovierte über Feindbilder von Muslimen und Christen zur Zeit der Kreuzzüge im 12./13. Jahrhundert.
Dr. Bian Harb arbeitete als Universitätsprofessor an verschiedenen Hochschulen, darunter an der Universität Damaskus und der privaten Universität Irbid in Jordanien. Zudem fungierte er als Generaldirektor der syrischen Behörde zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Förderung von Entwicklungsprojekten in Syrien – einer Entwicklungseinrichtung, die damals unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen und der syrischen Regierung stand. Er erwarb 1989 seinen Doktortitel an der Universität Rostock. Dort lebt er und widmet sich derzeit verschiedenen intellektuellen Aktivitäten in den Bereichen Wirtschaft und Politik.
Kholoud Charaf ist Schriftstellerin aus Suweida. Seit 2018 lebt sie im Exil. In ihren Gedichten und Prosawerken beschäftigt sie sich mit Krieg, Flucht, Erinnerung und der Suche nach Heimat sowie mit den Lebensbedingungen von Frauen und Kindern in Syrien. Für ihre Reportage „Journey of the Return to the Mountain“ erhielt sie 2019 den Ibn-Battuta-Preis für Reiseliteratur; ihre Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt (auf Deutsch „Mit all meinen Gesichtern“, 2024). Gerade erschien die deutsche Übersetzung ihres Romans „Ein Tagebuch, das nichts mit mir zu tun hat“, für das sie mit dem Arabischen Booker Prize ausgezeichnet wurde.
Mais Harb ist eine syrische Sängerin und Musikerin, die in Berlin lebt und arbeitet. Ihr künstlerisches Schaffen bewegt sich zwischen zwei sich ergänzenden musikalischen Welten: der Pflege und Neuinterpretation traditioneller Lieder und Gesangsformen aus Sweida sowie ihren eigenen Liedern, die sie größtenteils selbst schreibt und komponiert. In ihren neuen Werken greift sie Themen und Erfahrungen auf, die Menschen bewegen, und verleiht ihnen eine eigene musikalische Stimme.
Rachid Hlal ist ein syrischer Musiker, Komponist, Arrangeur und Geiger. Er studierte am Höheren Musikinstitut in Damaskus und schloss sein Studium 2005 ab. Er erhielt ein Zertifikat über seine musikalische Weiterbildung bei dem türkischen Geiger Baki Kemancı mit Schwerpunkt auf Geigentechnik und türkischen Maqamat. Seit 2015 war er als Dozent am Höheren Musikinstitut in Damaskus tätig. In den Jahren 2007 und 2008 unterrichtete er Musikpädagogik an der Universität Homs. 2016 leitete er bei mehreren Konzerten das Orchester syrischer Musiker. Seit 2000 spielte er im Syrischen Symphonieorchester und war von 2007 bis 2011 erster Geiger im Orchester von Fairuz. Darüber hinaus gründete und leitete er das Sayyid-Darwish-Orchester und gründete das Ensemble Atheer, den Believe Vocal Group sowie das Streichquartett Damascus.

