
Mit seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ hat Papst Leo XIV. den rasanten technologischen Wandel unserer Zeit als epochale Herausforderung benannt, in der „die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht und ihre Stimme zu verlieren“.
Im Gespräch mit der Übersetzerin und Essayistin Claudia Hamm und dem Theologen Wolfgang Palaver, dessen Auseinandersetzung mit Peter Thiel jüngst viel Aufmerksamkeit erfahren hat, bietet sich die Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit den Verheißungen Künstlicher Intelligenz. Welche Rolle kommt der Theologie zu in einem Zeitalter radikaler Verunsicherung, schwankend zwischen technologischen Heilsversprechen und apokalyptischen Ängsten?
Welch große Rolle Religion in Technologie-Debatten spielt, ist das Thema von Wolfgang Palaver und mit der Enzyklika des Papstes nun auch für eine breite Öffentlichkeit sichtbar geworden. Indem Algorithmen und Soziale Medien unser Zusammenleben, Aufwachsen und Selbstverhältnis fundamental verändern, sind wir nicht lediglich mit einer technologischen Zäsur konfrontiert, sondern mit einem Ringen um die Verteidigung des Menschlichen. Wie verändert sich die Welt, wenn wir Gedanken, Beziehungen und Gefühle nicht mehr selbst verantworten, sondern über Plattformmonopole Wortwahrscheinlichkeiten errechnen lassen? Wenn wir statistische Wahrscheinlichkeiten mit Wissen oder Wahrheit verwechseln, uns „liebevollen“ Chatbots statt verletzenden Mitmenschen anvertrauen, die Gefühle nachahmen und Beziehungen simulieren, dann verwandeln sich hilfreiche Werkzeuge in entmündigende Herrschaftsinstrumente.
Im Horizont einer solchen Verteidigung des Menschen vergleicht Papst Leo XIV. die Gefahren von Algorithmen mit Massenvernichtungswaffen. Er fordert uns nicht dazu auf, die digitale Innovation zu stoppen, sehr wohl aber erinnert er an unsere Aufgabe, „sie zu lenken und uns ihrer Ambivalenz bewusst zu sein“ – damit es uns gelingt, „die Technologie zu nutzen, ohne von ihr versklavt zu werden“.
Von Claudia Hamm wurde jüngst unter dem Titel „Gott spielen“ ein gepriesener und vielbeachteter Band mit prominenten Stimmen zur Auseinandersetzung mit den Verheißungen Künstlicher Intelligenz herausgegeben. Als markante Stimme der kritischen Begleitung des allgegenwärtigen Hypes um Künstliche Intelligenz trat Sie bereits mit dem Doppelheft der Zeitschrift Akzente hervor, das unter dem Titel „Automatensprache“ die gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Herausforderungen der rasenden Automatisierung von Sprache und Übersetzen eindringlich schilderte.

