
Angeregt von Karl Tetzlaffs jüngst erschienenem Buch „Im Sehnsuchtsbereich. Theologische Erkundungen der Gegenwartsliteratur“ widmet sich der Abend den Motiven religiöser Suchbewegungen in der zeitgenössischen Literatur.
Dass Literatur ein Resonanzraum für religiöse Bedürfnisse ist, hat heute seine Selbstverständlichkeit verloren. Religiöse Indifferenz scheint unsere Alltagserfahrung angemessener zu beschreiben – dass also nichts fehlt, wo Gott fehlt. Als Heimweh oder Sehnsucht wirken ehemals religiöse Landschaften freilich doch nach, auch wenn Wilhelm Genazino die Nachbarschaft von Literatur und Religion vermutlich eher als „zwanghafte Verkuppelung“ bezeichnen würde. Mit ihrer Freude am öffentlichen Bekenntnis zum katholischen Glauben wirkt das Verhältnis von Literatur und Religion bei Nora Bossong hingegen fast als polemische Zuspitzung, auf jeden Fall erfrischend anders.
Wie begegnen uns solche Erfahrungen von Sehnsüchten oder Unsagbarem im Lesen und Schreiben? Im Gespräch mit Magnus Schlette und Markus Kleinert erkunden wir die vielfältigen Weisen der Verwandlung des Heiligen und ihr ästhetisches Fortwirken zwischen Polemik und religiöser Indifferenz.

