Predigten
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Predigt am 4. Fastensonntag
14. März 2010, 12:00 Uhr
Lk 15,1-31
Ver-Söhnung live - richtig beichten
In Zeiten der Krise schärfen sich die Sinne. Bei manchen allerdings nur der olfaktorische - sie wittern überall Krisen und sind in ihrer Selbstsicherheit gänzlich zusammengebrochen. Eine Krise jedoch, die ganz offensichtlich zu sein scheint, so daß das da gar nicht mehr diskutiert werden muß, ist die Krise des Bußsakramentes. Die Beichtstühle, wo es noch welche gibt, sind leer. Beichten, das tut doch heute keiner mehr. Evtl. geht er zum Psychologen.
Doch ich bin mir da immer unsicherer geworden. Ich glaube, es gibt heute ein Interesse an der Beichte - das in der Geschichte dieses Instituts einmalig ist. Nur ist es nicht die eigene, sondern die der anderen.
Und man benötigt keinen Beichtstuhl, sondern eine Fernsehkamera.
Da kann man, wenn man möchte, sich in eine der Nachmittagsshows einladen, oder wenn man schon ein wenig bekannter ist, zu Kerner gehen - wie der Herr Hoyzer - und sich bei den Fußballfans Deutschlands entschuldigen. Wer erinnert sich nicht noch an die Tränen Dirk Zabels? Sein früheres Leben - hat er damals gesagt - habe er in der Garderobe gelassen und nun liegt es in der Hand der Zuschauer.
Das hat Frau Käßmann nun nicht so gesagt, aber im Endeffekt ähneln sich diese Beichten vor laufender Kamera alle - ob man sich für Gedanken anderer, (wie die junge Frau Hegemann) oder für die Sünden anderer (wie Erzbischof Zollitsch) entschuldigen will oder muß; eines ist immer gleich: der Adressat des Geständnisses. Es ist die Öffentlichkeit, der Zuschauer, die Allgemeinheit.
Wir haben heute mit der Geschichte vom verlorenen Sohn eine der bekanntesten Gleichnisgeschichten der Hl. Schrift gehört, ich erinnere mich sehr gut an ein Bilderbuch, das sich mir schon als Kind eingeprägt hat - und sicher gibt es heute noch viel mehr solcher Bücher.
Auch hier probiert jemand ein Geständnis - er legt sich etwas zu recht, was er sagen will. Aber es kommt gar nicht richtig dazu. Der zur Beichte ansetzende wird mit einem Kuß und einer Umarmung zum Schweigen gebracht.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn handelt also gar nicht von der Beichte, sondern sie handelt von einem Ereignis, das irgendwie überzogen scheint.
Wenn es mit rechten Dingen zuginge, dann würde die Geschichte etwa so enden. Der jüngere Bruder kommt nach Hause, der Vater fragt nach dem Geld. Keins da. Dann muß das eben ausdiskutiert werden. Schließlich einigt man sich; daß der jüngere Sohn eine zweite Chance bekommt, ist klar und daß er sich die Aufgaben vom älteren Sohn zuteilen lassen muß, daß ist auch klar. Es soll ja schließlich auch aus dem Zweiten mal was werden. Das findet auch der ältere und alle sind sehr zufrieden. Es gibt ein Wiedersehensfest ohne neidische Stimmungsschieflagen.
Der Evangelist wollte jedoch keine Geschichten über Menschen aufschreiben, sondern er läßt den Herrn eine Geschichte über Gott erzählen, über den Himmel, in dem mehr Freude herrscht über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte. Es gibt in Gott eine Marotte, einen verrückten Zug: er liebt Menschen, freie Menschen. Er läßt sie laufen, ohne Diskussion - aber wenn einer zurückkommt und spürt: Das ist mein Vater! - dann ist das für Gott das Größte.
Die Kirche mußte erst mühsam lernen, eben genau wie die Pharisäer und die Schriftgelehrten bei Lukas, wie sich das anfühlt, wenn sich Gott über den Vorzeige-Asketen und genauso über den Dahergelaufenen, den Konvertiten freut, der eine Biographie hat, daß die Zeitungen jubeln würden.
Das große Mißverständnis und die große Lüge der heutigen inflationären Beichten ist: die Allgemeinheit mag Verständnis äußern - vergeben kann sie nicht, allenfalls vergessen, doch da haben wir die Rechnung ohne Onkel Google gemacht, der vergißt nie.
Wenn wir uns Gott vorstellen, als ein höchstes Wesen, als eine schöpferische, intelligente Energie, apersonal, wie einen Überwachungsapparat - allwissend aber steril und kalt, dann werden wir niemals den Mut haben, wirklich neu anzufangen, heimzukehren aus dem Exil, das uns so großartig erschien und das, nichts war als eine große Lüge.
Der indische Jesuit Anthony de Mello, dessen Lehren am Ende mystisch-pantheistisch wurden, hat auch Geschichten notiert, die ganz rechtgläubig scheinen, eine nämlich über eine Frau, die zum Bischof geht, um ihm zu sagen, daß Gott ihr erschienen sei. Der Bischof will das testen und sagt zu ihr: Falls Ihnen Gott wieder einmal erscheint, dann fragen Sie ihn bitte nach der schlimmsten Sünde des Bischofs - und die erzählen Sie mir dann. Die Frau kommt nach ein paar Tagen zurück; der Bischof ist natürlich interessiert: „Was hat Gott gesagt?“ - die Frau antwortet: „Geh zum Bischof und sag ihm: die Sünden des Bischofs? Die habe ich alle vergessen!“ -
Gott vergißt unsere Sünden vor Freude! Uns daran zu erinnern, ist der Laetare-Sonntag ideal! Nutzen wir die kurze Zeit, die noch bleibt bis Ostern, um Gott und uns eine Freude zu machen! Amen.
Predigt am 3. Fastensonntag
07.03.2010, 12:00 Uhr
Ex 3, 1-15, 1 Kor 10,1-12, Joh 4,4-42
Sich „von der Seite anquatschen lassen“?
Das Sprechen, das Gespräch ist in unserer Zeit (seit Habermas) der Ort des Einbrechens von Transzendenz in unser Leben. Der gelingende Diskurs ist die unhinterfragte Basis demokratischer Prozesse, Möglichkeitsbedingung unseres Gemeinwesens. Jemand der seine Konsensorientierung infrage stellt, der sich dem öffentlichen Diskurs verweigert, macht sich unmöglich.
Und doch wissen wir alle darum, wie schwer das ist mit dem gelingenden Gespräch. Wie selten eine Übereinkunft erzielt wird, wenn es um wirklich wichtige Fragen geht, wie schwer es überhaupt ist, ein Argument zu finden, das den Gegner nicht entblößt, sondern ihn gewinnt.
Wir haben in den Texten des 3. Fastensonntags zwei Dialoge, die gelingen (wenn man so sagen darf). Gespräche, die das Leben völlig verändern. Mose spricht mit Gott und die Samaritanin spricht mit Jesus. In beiden geht es um etwas sehr ähnliches - nämlich, genau das, worum es in der Religion - zumindest in der Offenbarungsreligion - immer geht. Hier wird von einer Gottesbegegnung erzählt, beide Autoren haben ein ähnliches Ziel: sie möchten uns ermutigen, daß auch wir miteinander ins Gespräch kommen über die Art und Weise, wie Gott sich uns genähert hat, sie geben auf äußerst kunstfertige Weise eine Hilfe an die Hand, wie auch wir über unseren Glauben sprechen können, wenn uns jemand fragt.
Ich möchte kurz über die Struktur beider Texte sprechen. Sie ähneln einander ein wenig: die Zufälligkeit, die Alltäglichkeit der Ausgangssituation: das Viehhüten hier, das Wasserholen dort. Dann das anfängliche Interesse - eine außergewöhnliche Naturerscheinung hier, ein ungewöhnliches Verhalten dort. Dann die wirkliche Eröffnung des Gesprächs: Ich habe das Elend meines Volkes gesehen - du hast die Wahrheit gesagt: fünf Männer hast du gehabt und der den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Dann die Offenbarungsszene - Ich bin, der ich bin (da) und Ich bin es, ich der mit dir spricht.
Und dann die Sendung - Sag zu den Israeliten, der „Ich bin da“ hat mich gesandt! bzw. die Samariterin geht von selbst in das Dorf, um ihren Nachbarn vom Messias zu berichten.
Die Struktur ist ähnlich, aber es gibt doch Unterschiede, die die Auswahl des Johannestextes für die Fastenzeit so bedeutsam werden lassen.
Der 3. Fastensonntag ist in der westlichen Tradition der Sonntag der Entscheidung - die Taufbewerber sagen ihrem bisherigen Leben völlig ab. Abrenuntio! - Ich widersage! heißt das - und der Bischof betete ein Schutzgebet über die Taufbewerber.
Es geht also um den Glauben, die Taufe, das Wasser des ewigen Lebens. Der Glaube ist nicht etwas, was einem plötzlich überraschend einfällt (Ach es muß doch einen Gott geben!), und dann glaubt man eben an Gott. Sondern er ist etwas Lebendiges, ein Pflänzchen, das des Wassers bedarf, es muß beschützt werden vor dem Frost und vor zu starker Sonne, der Glaube ist nicht etwas, das man ein für alle Mal begriffen hätte und dann bleibt man dabei; sondern er ist etwas, das sich entfaltet, entwickelt. Es gibt ein Wachstum im Glauben - aber auch ein Verkümmern. Ein Verflachen, eine Entwöhnung - etwas, das verlorengehen kann. Das gilt besonders für den Glauben, der nicht durch soziale Flankierungen, die Stammeszugehörigkeit, bzw. Brauchtum etc. gestützt ist, wie im Altertum und im christlichen Mittelalter. Das Christentum der Moderne ähnelt darin durchaus dem Christentum, der frühen Zeit. Johannes kennt das Problem und möchte dazu eine Hilfe geben.
Johannes und seine Gemeinde kennen darüberhinaus die interkulturellen Schwierigkeiten der frühen Gemeinden. Sie sind sehr aktuell. Das Gespräch könnte heute genauso beginnen. In Nablus, im Westjordanland sitzt ein Jude und er begegnet einer Palästinenserin. Sie würde genauso fragen: Du ein Israeli fragst mich, ob ich Dir etwas geben könnte? Und Johannes kennt, aus seiner Erfahrung als Christ heraus, das einende Prinzip: die Quelle des Glaubens: das Wasser. Hier ist das Sakrament der Taufe symbolisch dargestellt. Und darüber hinaus gibt es einen zweiten symbollastigen Einschub in diesem vierten Kapitel. Er schließt an das Gespräch mit der Frau über das wahre Gebet im Geist an und ist als Jüngerbelehrung eingefügt - die Samaritanin geht in das Dorf unterdessen kommen seine Jünger mit Lebensmitteln zurück - und Jesus spricht von der Speise, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat. So verklammert der Evangelist die Symbolrede mit dem Handlungsstrang. Das Bild, das Jesus verwendet ist reine Poesie:
Blickt auf und seht - die Felder sind weiß - reif zur Ernte. Der eine sät und die anderen ernten. Der eine weckt den Glauben, die anderen können nur staunen und sich gemeinsam freuen. Die Stärkung des Glaubens, den die Menschen in der Taufe empfangen ist die Speise, die auf den Feldern reif ist zu Ernte. Die Sammlung der Menschen zur gemeinsamen Eucharistie ist kein „Werk“ der Menschen, sondern das Werk, das der Messias vollenden wird. Das ist ein langsamer, unaufhaltsamer Prozeß. So wie sich im Gespräch nach und nach herausstellt, wer es ist der mit der Samaritanin spricht - erst Prophet der Taheb, auf den die Samariter hoffen, dann der Gesalbte - der Christus, am Ende das Bekenntnis „Er ist wirklich der Erlöser der Welt“, so schiebt Johannes ganz vorsichtig die Wachstumsprozesse des persönlichen Glaubens des Jüngers in die Entwicklung seiner Theologie mit ein. Die schrittweise Enthüllung des wahren Gottes ist verwoben mit dem schrittweisen Glauben-Können. Die Selbsterkenntnis, das Gebet im Geist und in der Wahrheit, das persönliche Bekenntnis (er hat mir alles gesagt, was ich getan habe - ob er vielleicht der Christus ist?) und schließlich das gemeinsame Bekenntnis der Samariter: Er ist wirklich der Retter der Welt.
Wenn das, alles wahr ist, hat das lange Kapitel mit dem Gespräch - mit dem gelingenden Gespräch am Jakobsbrunnen eine ungeheuer entlastende Wirkung auch auf unsere heutige Zeit.
Gott wächst nach und nach in unseren Alltag hinein - Johannes läßt das Normale transparent werden für das Zentrale, das Kleine verweist auf den Ursprung, die Armseligkeit auf das Unendliche.
Es kommt nicht auf unsere Geschicklichkeit an, sondern auf den Geist, der weht wo er will, es kommt nicht auf Erntebilanzen an, sondern auf die gemeinsame Freude - des Säenden und des Erntenden. Es kommt darauf an, ob wir bereit sind, das Wirken Gottes in unserem Alltag, an unseren vielen Jakobsbrunnen dieser Zeit zu akzeptieren, ob wir die Sehnsucht nach dem Wasser des Lebens in uns akzeptieren.
Predigt am 2. Fastensonntag
28. Februar 2010
12:00 Uhr, Akademiemesse
Gen 15, 5-12.17-18; Phil 3, 17 - 4, 1; Lk 9, 28b-36
Verklärung vs Aufklärung?
Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt viele rätselhafte Dinge in den Schriften, die von der Kirche heiliggehalten werden. Aber selten treffen sie so geballt aufeinander. Hier wollte wohl jemand sehr dick auftragen, der auf die Idee kam: ach, laßt uns am 2. Fastensonntag die Geschichte von der Verklärung Christi lesen!
Vielleicht hat die Kirche hier ein Gespür dafür, wie leicht man - gerade wenn man es ernst meint mit der Ethik, gerade, wenn man versucht, ein wenig mehr Authentizität in sein Leben zu bringen - wie leicht man dennoch das ursprüngliche Ziel aus den Augen verlieren kann.
Das ist nicht weiter schlimm, wenn man sich die Ziele seines Weges frei wählen kann, bei der Fastenzeit jedoch wählen wir gar nicht - wir bewegen uns auf ein Ziel hin, von dem wir annehmen, daß es uns allen gemeinsam ist und als solches vorgegeben. Es ist ein Weg der Imitation Christi.
Derjenige, der die Fastenzeit ernst nimmt, sich also an seine Diät hält, weniger fernsieht, mehr betet und in die Kirche geht, der schlicht die Überzeugung hat, es muß etwas mit mir geschehen, der befindet sich in einer gewissen Gefahr. Diese Gefahr heißt Verabsolutierung der Methode - der Weg ist das Ziel, wie wir gerne sagen. Das Taborevangelium zeigt uns - nein: es liegt noch eine weite Strecke vor uns, wir können uns nicht schon jetzt niederlassen, Hütten bauen, weil wir spüren, daß uns die Fastenzeit eigentlich ganz gut tut.
Die Verklärungsgeschichte ist ein bleibender Weckruf für schlafende Moralapostel: Lukas ist der einzige, der die Apostel schlafend schildert auf dem Tabor. Und er hat damit etwas im Sinn. Es ist allein Jesus, der betet, nur er. Der Handelnde ist Jesus - die beiden Propheten sprechen vom Leiden in Jerusalem.
Und es ist allein Gott, der handelt in der Fastenzeit. Nur er. Auch wenn es uns gar nicht so vorkommt. Es geht in der Fastenzeit nicht um uns, sondern um Christus.
Braucht man dazu so eine mythische Szenerie, wie die von der Verklärung Christi? Was soll denn das in unserer heutigen Zeit? Was ist die Moral von der Geschicht?
Dazu möchte ich Ihnen eine merkwürdige Geschichte erzählen, die mir vor drei Wochen erzählt worden ist, im Anschluß an ein Kolloquium in Erfurt. Die Assistentin meines Professors berichtete von einer Exkursion innerhalb des verpflichtenden Ethik- und Religionsunterrichtes an einer kirchlichen Fachschule. Zur Ausbildung gehört, daß auch nichtchristliche Schüler wenigstens einmal einen Gottesdienst erleben, damit sie so wissen, was der potentielle Dienstgeber so sonntags von seinen katholischen Angestellten so fordert. Die Assistentin versucht nun diesen Gottesdienstbesuch danach kurz auszuwerten. Eine ungetaufte Schülerin fragte dann in entwaffnender Offenheit, ob es bei katholischen Gottesdiensten wohl immer so wäre, daß der Pfarrer von einem Licht umgeben ist? Nachdem alle anderen - die Assistentin eingeschlossen - sie entgeistert anschauten, merkte sie, daß das wohl nur ihr Eindruck gewesen sein muß. Sie verteidigte jedoch ihre Wahrnehmung, sie hätte nichts genommen! Aber den Schein, den würde sie beschwören.
Die Assistentin brach dann die Auswertung ab. Sie hatte sich bis dahin schon relativ viel mit religiösen Phänomenen beschäftigt, aber sie hatte nicht gedacht, daß es so etwas heute noch gäbe.
Lichterscheinungen gehören in die Welt der Religion hinein, so daß es fast verwunderlich wäre, wenn in den Evangelien nicht davon berichtet werden würde.
Nicht damit das irgendwie relativiert würde - sondern um auf etwas aufmerksam zu machen: bei Lukas gehört die Verklärung in eine Gebetssituation Jesu hinein.
Das Licht ist immer ein Zeichen für eine andere Realität. Eine tiefere Wirklichkeit gleichsam.
Seitdem wir begonnen haben, den Menschen in den Mittelpunkt unseres Interesses zu stellen, seit der Renaissance haben wir die Lichtmetaphorik, die zum symbolischen Einmaleins des Menschen gehörte, einfach herumgedreht. Nicht mehr der Mensch wird von der Wahrheit erleuchtet, sondern die Wahrheit wird an Licht gebracht, wenn nötig ans Licht gezerrt. Nicht wir werden angestrahlt, sondern wir strahlen die Welt an, wir stochern mit den Taschenlampen unserer Wissenschaft im Dunkeln herum und nennen das auch noch Aufklärung.
Ein mühsames Geschäft.
Dabei haben wir vergessen, daß auch die Erkenntnis, auch das Streben nach Wahrheit nur ein reflexives sein kann, eine Antwort auf das, was mir widerfährt. Alles, was ich erfahren, alles was ich erkennen kann, ist letzlich immer auch Geschenk, immer auch ein Erleuchtetwerden. Nicht ich strahle es an, sondern das Licht macht mich hell, wie es Heidegger so schön ausgedrückt hat - das Sein lichtet sich zur Wahrheit.
Der Weg der Fastenzeit ist also immer zwar ein Weg, der gegangen werden muß, aber vor allem ein Weg, der sich ereignet, eine Tür, die sich vor uns öffnet.
Wir haben es sehr nötig, die Geschichte von der Verklärung Christi ernst zu nehmen. Zu sehr sind wir auf die Armseligkeiten unseres Daseins fixiert. Zu fremd ist uns jegliche geistige Dimension unseres Tuns geworden. Wir sollten uns nicht nach Erscheinungen und Visionen sehnen, Schwärmertum ist oft keine Hilfe. Aber wir sollten uns vor der Eindimensionalität hüten. Die Kategorien, mit denen wir unser Leben beschreiben, brauchen zur Vollständigkeit die Lichtmetapher. Es geht um Christus, das Licht der Welt. Amen.

