Veranstaltungsarchiv

Gespräch nach der Vorstellung: Der zerbrochene Krug

Foto: Arno Declair
Termin: 05.05.2022
Uhrzeit: 20:30 – 23:00 Uhr
Ort: Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, 10117 Berlin

Eigentlich hätte das Stück alle Voraussetzungen zum Drama: Eine skrupellose Obrigkeit setzt rücksichtslos ihre Eigeninteressen wie Missbrauch, Habgier oder Wucher durch. Dorfrichter Adam versucht dabei nach einem missglückten Missbrauchsversuch seinen Kopf mit solch grotesken Lügen aus der Schlinge zu ziehen, dass das Drama sich unweigerlich in eine Komödie verwandelt.
Wir möchten mit Ihnen die Aufführung „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich v. Kleist (in einer Fassung von Anne Lenk und David Heiligers) besuchen und anschließend mit Ihnen und dem Dramaturgen des Stückes, David Heiligers, ins Gespräch kommen über das, was wir im Theatersaal erlebt haben.

Das Deutsche Theater schreibt in seiner Ankündigung:
„Im Dorfe Huisum ist Gerichtstag und Richter Adam stolpert gleich am Morgen aus dem Bett und über sich selbst. Jedenfalls behauptet er das. Denn so sehr dieser Adamsfall als Metapher stimmt, ist dies tatsächlich nur die erste einer Vielzahl von Lügen, die der Richter ungeniert von sich geben wird. Der wirkliche Grund für seinen lädierten Fuß und das zerschundene Gesicht ist die Folge eines Missbrauchs, den er in der Nacht zuvor begangen hat: Die junge Eve in deren Zimmer bedrängend, wird er überrascht von ihrem Verlobten Ruprecht und verletzt sich beim flüchtenden Sprung durchs Fenster. Obendrein geht dabei ein Krug entzwei. Mit diesem zieht Eves Mutter Marthe nun vor Gericht und bezichtigt Ruprecht des nächtlichen Übergriffs. Jener widerspricht heftig, während Eve von Adam erpresst wird und schweigt. Dies alles im Beisein von Schreiber Licht, der klüger und mitwissender ist als er es zeigt sowie unter den Augen der neuen Gerichtsrätin Walter, die zur Prüfung und Revision der Justiz angereist ist. In aller Öffentlichkeit macht Adam sich demnach selbst den Prozess, wobei sein Ziel offensichtlich ist: Ruprecht als Täter verurteilen und den Fall schnell zu den Akten legen. Was Kleists Drama von 1811 zur Komödie macht, ist vor allem die Dreistigkeit, mit der hier vom Patriarchat Macht ausgeübt, Positionen gesichert und Verhältnisse zementiert werden. Die Wahrheit zählt dabei nicht im Geringsten; stattdessen gilt es, unverfroren und skrupellos jede Verantwortung von sich zu schieben. Gestützt von einer Gesellschaft, die scheinheilig mitspielt – stolz vor ihrem kulturellen Erbe stehend und sich vormachend, es würde sie die Gerechtigkeit interessieren.“

Organisatorisches:
Eine Teilnahme am Gespräch nach der Vorstellung ist nur für Besucher der Abendvorstellung im Deutschen Theater möglich. Die Vorstellung beginnt um 20:30 Uhr (Dauer: 90 Minuten, keine Pause). Eine gesonderte Anmeldung zum Gespräch nach der Vorstellung (beginnt ca. 22:15 Uhr im Großen Saal, 1. Stock) ist nicht erforderlich, aber willkommen. Schreiben Sie uns bitte vorher, wenn Sie den 1. Stock nur mit dem Aufzug erreichen können – dann kümmern wir uns darum! Unser Gespräch dauert ca. 45 Minuten. Karten für die Vorstellung sind im Vorverkauf (dringend empfohlen!) an der Kasse des Deutschen Theaters erhältlich: Montag bis Samstag: 11:00-18:30 Uhr, Sonn- und Feiertage: 15:00-18:30 Uhr, Telefon: 030-28 441-225 und natürlich auch online.

Referenten
Gastreferenten
Verantwortlich
Dr. Katrin Visse
Referentin
+49 30 28 30 95-114 E-Mail schreiben
Kooperationspartner
Deutsches Theater
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