Juni 2010

Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis
27. Juni 2010, 12:00 Uhr (Abschluß des akademischen Jahres)
1 Kön 19,16b.19-21

Der Prophetenmantel und das Charisma des Geistes

Die Lesungen des heutigen Sonntags sind familienpolitisch brisant, die Worte Jesu, die sich gegen die Familienbande richten, waren anstößig und sind es auch heute, wo es viele Menschen gibt, die intakte und belastbare Familienverhältnisse nur noch vom Hörensagen oder aus dem Kino kennen.

Es geht um Geduld mit den Feinden und Ungeduld mit sich selbst. Meist ist es bei uns umgekehrt. Und es geht um Entscheidungssituationen - du mußt Prioritäten setzen! Aber die Botschaft ist nicht bloß eine ethische, v.a. die Lesung aus dem 1. Königsbuch ist dunkler und schwerer - und auch viel reicher und von daher enthält sie einige Gedanken, die für mein Dafürhalten für uns und unsere Akademie von Relevanz sind.

Ein prophetischer Überfall
Die Berufungsgeschichte des Prophetenschülers Elischa ist ein Überfall.
Er hat von Gott Aufträge bekommen, einen Nachfolger auszubilden, den soll er salben - eine Krönungszeremonie, das Öl ist ja das was am besten auf den Geist verweist, da es in den Körper eindringen kann, von ihm aufgenommen werden kann.  
Aber was geschieht? Er trifft den, dessen Name von Gott genannt worden ist auf dem Feld und wirft ihm im Vorbeigehen den Mantel zu - oder über. Diese Art der Berufung des Nachfolgers ist merkwürdig. Keine Salbung, keine erklärenden Worte: Hiermit erwähle ich dich...
Aber Elischa versteht sofort. Er nimmt Abschied, trennt sich von seinem Vieh, von seiner Heimat, beköstigt seine Arbeiter und tritt in den Dienst des Propheten - es beginnt ein Lehrer-Schüler-Verhältnis.
Der Fellmantel des Propheten spielt eine große Rolle, er ist sein Erkennungszeichen und wirkt als Objekt von magischer Kraft. Es ist der Mantel, mit dem Elija sein Gesicht verhüllt, als sich ihm Gott am Gottesberg Horeb zeigt, es ist der Mantel, der ihm entfällt als er im Feuerwagen auf dramatische Art und Weise in den Himmel entrückt wird. Elischa wird diesen Mantel später tragen und mit ihm die Prophetengemeinschaft leiten.
Der Gestus, der zunächst leicht skurril wirkt - läßt sich vielleicht besser verstehen, wenn wir daran denken, daß wir selbst Dinge besitzen oder sogar tragen, die wir geerbt haben oder von Menschen bekommen haben, die uns viel bedeuten. Es entsteht ein besondere, fast spürbare Nähe, die uns zuweilen zu stark ist, ja sogar unangenehm sein kann.

Schutzmantel des Geistes
Aber der Mantel ist nicht nur ein personalisierter Gegenstand, ein Ding mit einer gewissen Aura. Er drückt auch eine ganz besondere Spannung aus: Von Franziskus wird die Geschichte erzählt, sein Vater habe ihn vor das Bischofsgericht gebracht, um ihn zu enterben, da er das Geld der Familie an die Armen verteilt. Während des Prozesses zieht sich Franziskus seine Kleider aus und erklärt sich mit der Enterbung einverstanden - so daß der Bischof die Blöße mit seinem Mantel verdecken muß. Franziskus bricht mit dem Vater, indem er die Kleidung seiner Familie ablegt und den Mantel des Bischofs sich anlegen läßt.
Der Mantel schützt dabei nicht nur vor der Kälte. Er schützt vor der Auskühlung des Herzens. Der Mantel symbolisiert die Institution. Der Mantel ist Statussymbol. Der nackte Mensch darunter ist der Berufene, der Brennende, der Geistträger - jedes noch so einzigartige Charisma bedarf eines Mantels, um wirksam zu werden.
Elija salbt den Elischa vielleicht genau deshalb nicht, weil er davon überzeugt ist, daß Elischa bereits von Gottes Geist ergriffen ist. Diesen Geist will er schützen. Berufungserlebnisse sind leicht anfragbar, denn sie sind nicht rationalisierbar. In unserer kommerziellen Welt dürfen sie nicht sein. Was ich tief in mir ganz deutlich spüre, kann ich sowieso niemandem sagen. Argumente unterstützen vielleicht, aber sie begeistern nicht, sie geben nicht den Ausschlag, sich zu entscheiden.
Schutzmantelmadonnen muß man niemandem erklären. Man sieht auf den ersten Blick, was sie besagen. Auch Menschen mit einem Gespür für die Fragen des Geistes benötigen solch einen Mantel.

Mantelreformer
Deshalb möchte ich das Bild vom Mantel des Propheten ausdehnen und übertragen auch auf Orte des Geistes. Vielleicht ist auch die Agora, das Podium oder das Katheder Ort des Geistes, der umgeben sein muß von einem Prophetenmantel, unter dessen Schutz der Geist sich entfalten kann.
Wir haben in der Kirche und auch in der Universitätslandschaft viele Jahrzehnte mit der Überzeugung gelebt, man solle doch die alten Mäntel abschaffen, um dem Geist wieder Raum zu geben. Sind wir uns der Kraft des Geistes so sicher, daß wir auf den Mantel ganz verzichten? - Gewiß der alte Mantel garantiert den Geist keineswegs.
Aber das bloße Zurechtstutzen des Mantels hat der deutschen Kirche zumindest nicht die prophetische Existenz gebracht, von der sie möglicherweise geträumt hat. Und dennoch wird nach wie vor ständig um den Mantel gestritten.
Das verwundert doch sehr. Die Logik der Abschaffung all dessen, was an der Kirche nicht bürgerlich plausibel ist, läuft auf eine Abschaffung des Geistes hinaus. Ich glaube, das Leute, die mantraartig Strukturreformen fordern, genau denjenigen auf den Leim gehen, die eine Radikalität des Geistes für Unsinn halten, die keine inneren Überzeugungen kennen, sondern nur dem gerade Nützlichen und Praktischen, dem Üblichen hinterherlaufen.
Was würden diese Menschen dem Elija entgegnen: Was soll der Unfug? Der Acker, die Familie ist doch viel wichtiger! Gott gibt es vielleicht gar nicht. Und die geistigen Kräfte des Volkes Israel regenerieren sich doch von allein - wenn die Leute genug zu essen haben! Wir brauchen keine Propheten und Spinner!

Wir wollen Gott für das nun endende akademische Jahr danken. Wir wollen hoffen, daß unsere Akademie auch in Zukunft ein Ort des Geistes sein kann, auch wir müssen noch sehr viel lernen, was es heißt, eine Prophetenschule, ein Ort der Freiheit zu sein, zu der wir alle berufen sind. Möge es uns vergönnt sein, daß dieser Ort immer mehr ein Schutzort des Lernens, ein Prophetenmantel wird für all jene Menschen, die ihre Sehnsucht noch spüren. Amen.


Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis
20. Juni 2010, 12:00
Lk 9,18-24; Sach 12,10-13,1

Erwartungen an den Messias

Der Text ist in der Mt-Fassung bekannt, beim Hören haben wir recht schnell den Eindruck, wir wüßten schon worum es geht - eine Petrus-Geschichte? Ein heiteres Beruferaten? Eine psychologische Rätselei um die Frage, wie es ist ein Messias zu sein? Der Kontext ist nicht unwichtig hier - Lukas stellt es so dar, daß Jesus in Galiläa sehr erfolgreich als Wundertäter ist und sein Ruhm sogar bis zum Tetrarchen Herodes dringt, der ganz ratlos ist und sich fragt: „Johannes habe ich selbst enthaupten lassen; wer ist aber dieser Mann, von dem ich solche Dinge höre?“ Dazu kommt die Problematik, daß unser Evangelium viele Wörter enthält, an die wir uns gewöhnt haben, deren Sinn aber nicht eins zu eins ins Deutsche übertragen werden kann.

Leute z.B. - hier drängt sich die Assoziation auf, Jesus wolle mit seiner Frage die Ergebnisse einer Meinungsumfrage, die die Jünger in der Gegend gemacht haben, erfahren.
Die ὄχλοι sind nicht einfach irgendwelche Leute, die man auf der Straße zufällig antrifft,  sondern wir werden auf die Scharen von Menschen verwiesen, die im Lukasevangelium gerade noch das Speisungswunder erlebt haben und mit dem Wanderrabbi und seinen Jüngern mitzogen, ihn immer wieder aufstöberten, bzw. immer wieder sich in seiner Nähe aufhielten. (vgl. 9,11).

Messias -– die Übersetzung bemüht sich, das aramäische Meschiach aus der Muttersprache Jesu nachzuahmen, aber das steht gar nicht da: τὸν χριστὸν τοῦ θεοῦ steht da wörtlich da: der „Gesalbte Gottes“.
Wenn man annimmt, Lukas habe sein Evangelium für Heidenchristen konzipiert, muß das verwundern. Seine Leser konnten weder das Wort Messias noch das Wort „Christus“ verstehen. Das Wort „Gesalbter“ wird nur verständlich, wenn man die Hintergrundgeschichte kennt. (Ganz gut ist diese Fremdheit vor einigen Jahren im Film Matrix ausgdrückt worden. Auch hier geht es um einen Hoffnungsträger – der der „Erwählte“ genannt wird. Nur muß dann immer vorausgesetzt werden, daß alle Bescheid wissen, wer denn der Erwählende ist und wozu diese Auserwählung notwendig ist.)
Genauso ist das Wort „Christus“, das über 500 mal im Neuen Testament vorkommt, unverständlich ohne die Erwartungen, die sich mit diesem Codenamen verbanden.

Darauf will nun Lukas in besonderer Weise Antwort geben. Ich schlage vor, den Text also in etwa so übersetzen, daß die Frage nach der Meinung eben keine bloße Meinungsumfrage ist, sondern eine Frage nach der Sehnsucht der Menschen: Was erwarten die Leute von mir, die meine Nähe suchen? In etwa so, wie Jesus die Menschenmenge fragt, wozu sie eigentlich in die Wüste gezogen sind, um Johannes zu sehen.
Sind das alles übersteigerte Erwartungen - wie etwa solche, die der neu zu wählende Bundespräsident erfüllen soll? Erwartungen nach einer grundlegenden Wende, wie sie einst Barack Obama versprochen hat? So weit sind wir nicht entfernt vom Menschen der Antike. Manches mag fremd klingen, vieles aber allzu vertraut.
Wäre es nicht an der Zeit unsere Erwartungshaltungen einmal grundsätzlich in Frage zu stellen, als immer wieder das gleiche Spiel abzuspulen - Hochloben und dann Fallenlassen und Fertigmachen?
Ich haben manchmal den Eindruck, von den Politikern würden heute Dinge verlangt, wie sie früher nur im Märchen vorkamen: aus Stroh Gold zu machen - nach dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß!“
Und von Gott? Gibt es etwas, das ich von Gott verlange, ersehne?

Der hl. Vater hat in seinem Jesusbuch darauf aufmerksam gemacht, daß Lukas die Messiasfrage in einen Gebetskontext hineinstellt. „Während Jesus allein war beim Beten, waren seine Jünger mit ihm.“ (9,18) Die paradoxale Formulierung ist für Lukas, der ja seine Genauigkeit betont, einzigartig.
Die Jünger werden Zeugen einer Haltung, für die der Vater im fernen Himmel zugleich der ganz Nahe ist, mit dem Jesus von Angesicht zu Angesicht spricht. Sie dürfen sehen, was die ‚Leute’ nicht sehen, und aus diesem Sehen kommt eine Erkenntnis, die über die bloße ‚Meinung’ der Leute hinausgeht.
Im Bekenntnis des Messias drückt sich eine Erwartung aus, die Jesus voll und ganz erfüllt und die sogar übertroffen wird.
Dieser Messias wird nicht nur die Herrlichkeit Gottes neu aufstrahlen lassen, den Völkern den Frieden bringen, sondern er wird selbst der Friede sein, die völlige Vergebung – die Gemeinschaft mit Gott, die bis dahin undenkbar war.
Das ist der eigentliche Grund für das strenge Schweigegebot. Das Christusbekenntnis ist nicht bloße politische Erklärung, sondern zugleich eine geistliche Wahrheit, die ihren Kontext im Gebet hat.
Jeder Mensch, der im Gebet eine tiefe Erkenntnis haben durfte, jeder, der jemals eine geistliche Erfahrung gemacht hat, wird um die Schwierigkeit wissen, über diese Erfahrung zu sprechen.

Die Christen haben über den Messias gesprochen, in dem sie Bilder aus den ihnen bekannten Schriften der Propheten aufgegriffen haben - z.B. das aus dem Buch Sacharja. Die Vision vom Scheitern des jungen Helden, des zu früh verstorbenen, des Namenlosen, den sie durchbohrt haben, um den alle Welt klagt.
Die Geschichte vom leidenden Gottessohn ist eine, die alle Erwartungen auf den Kopf stellt und schließlich übertrifft. Und sie verurteilt auch übertriebene Erwartungen nicht. Ein Mensch, der Erwartungen hat, ist Adressat des Reiches Gottes - deshalb stellt Jesus ein Kind in die Mitte seiner Jünger und preist die Armen selig.
Man kann auch heute über verbreitete Erwartungshaltungen den Kopf schütteln und versuchen, die Menschen noch besser aufzuklären, sie sollten doch nichts mehr erwarten, es wird eben nicht besser. Doch das ist angesichts der tatsächlichen unerquicklichen Lage sehr vieler Menschen blanker Hohn.
Übertriebene Erwartungen neigen dazu, enttäuscht zu werden - aber ganz ohne Erwartungen kann niemand leben. Für seine Hoffnung kann kein Mensch. Aber dafür, vor der Wirklichkeit die Augen zu verschließen. Die Welt der großen Erwartungen, ist genau die Welt, in die Christus gekommen ist. Deine Hoffnungen sind so falsch nicht, aber sie werden sich anders erfüllen, als du denkst. Mögen wir die Klugheit erlangen unsere Erwartungen zu sortieren, und den Mut einem Messias nachzufolgen, der es sich nicht einfach machte, ja der das vollständige Scheitern in Kauf nahm, um uns alle Argumente aus der Hand zu nehmen, die gegen seine Liebe und seine Hingabe sprechen könnten. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten. Amen.

Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis
13. Juni 2010, 12:00 Uhr
Lk 7,36-8,3

Die Titelstory des Christentums

Wir leben in einer Welt, in der das Wort an Kraft verliert, das gilt nicht nur für das gesprochene, sondern auch für das geschriebene Wort. Zumindest wird es durch den Einsatz des Bildes immer mehr relativiert. Ihm bleibt vielfach nur noch die auslegende Funktion. Als die überregionale Tageszeitung, die sich für das publizistische Flagschiff der Bundesrepublik hält, zum ersten Mal mit einem Titelbild erschien, gab es noch ein Rumoren. „Muß das sein?“ fragte so mancher. Für Bilder seien andere Medien zuständig - eine Presse, die etwas auf sich hält, kämpft mit der Kraft der Formulierung, mit dem Wort selbst und leuchtet die Scheinbarkeiten dieser Welt aus. So dachte damals mancher. Heute gibt es keinen nennenswerten Widerstand mehr gegen Titelbilder, ihrer suggestiven Kraft gibt man sich wehrlos hin. Aber ich frage mich, ob seriöse Zeitungen diese Aufmacher wirklich brauchen, zumal sie auch problematisch sind. Sie sind deutungsoffen und vielschichtig, jedenfalls scheinen sie mir viel weniger präzise als ein Wort, eine Schlagzeile. Und ganz aktuell sind wir erschrocken, wie unscharf die Unterscheidung zwischen einer Collage und einem dokumentarischen Pressephoto ist heute geworden ist. Aus totalitären Systemen kannte man die Praxis der retuschierten Bilder als Mittel der Zensur und heute wird das achselzuckend „Bildbearbeitung“ genannt und löst nicht einmal mehr einen Skandal aus.
Aber über die Presselandschaft hinaus gilt auch für die Werbung, fürs Fernsehen, für den Film: Die geheimnisvolle Kraft der Bilder können wir immer und immer wieder erleben. Bei manchen kann man einfach nicht weggucken. Sie ziehen einen magisch an und gehen einem nicht mehr aus dem Kopf.

Die Geschichte von der Sünderin im Lukasevangelium hat das Zeug für eine Titelstory. Wenn es damals eine Zeitung gegeben hätte, und man würde eine Reportage über den Rabbi aus Nazareth bringen wollen, käme nicht die Kreuzigung, sondern dieses Bild von der stattbekannten Prostituierten, die dem berühmten Wunderheiler die Füße salbt und küßt auf die Titelseite. Kreuzigungen waren damals nichts Seltenes, aber Lk 7,36ff schon. Es ist alles da, was man für eine tolle Story braucht, ein berühmtes Gesicht, eine schöne Frau, aufgedeckte Intimität.
Sicher haben wir schon sehr viel gesehen in unserem Leben, aber ich denke, solch ein Bild erregt auch heute unsere Aufmerksamkeit. Wir können uns den Skandal ausmalen und die Enttäuschung der pharisäischen Freunde Jesu, die eigentlich mit ihm diskutieren wollen.
Auch die Theologie der späteren Jahrhunderte ist an dieser Geschichte interessiert. Hier wird von den einen eine Theorie der Liebesreue biblisch verankert, andere halten das für problematisch. Ja manche Exegeten halten die Tränen der Sünderin für zumindest eingeübt, professionell. Das erscheint mir sehr hart. Dennoch ist die Geschichte auch mit echten Tränen voller Rätsel und Schwierigkeiten.

Die Logik der Liebe
Die erste ist die merkwürdige Zurechtweisung des Pharisäers Simon: Wenn die Liebe die Grundlage und Vorbedingung der Vergebung ist, warum erzählt dann Jesus eine Geschichte von zwei Schuldnern, wo die Liebe ja explizit nicht Bedingung, sondern Antwort auf die erfahrene Liebe ist?
Wenn es nur um die Liebesreue geht, dann paßt die Beispielgeschichte nicht.
Aber es ist nicht zwingend, von einem Gap oder einem Knick (Schürmann) in der Erzählung zu sprechen.
Ich meine, die Beispielgeschichte paßt paradoxerweise: Sie weist darauf hin, daß es in der Liebe kein Vorher und Nachher gibt, keine distinkten Kausalitäten. Was antwortet man passenderweise auf die Frage: „Liebst Du mich, weil ich so gut aussehe?“ Hier befindet man sich in einer klassischen Dilemmaposition. Hier kann man nicht zwischen außen und innen trennen, zwischen Ursache und Wirkung, sondern muß mit einer Vielschichtigkeit und Gleichzeitigkeit leben.
Die richtige Antwort lautet: „Ich bin froh, daß ich mich zufälligerweise in die schönste Frau der Welt verliebt habe.“ Der Glaube ist Geschenk wie auch die Vergebung die die Sünderin von Jesus empfängt.
Die Liebesreue, die die sofortige Vergebung der Sünden bewirkt, ist nicht etwas, das man aus dem Stehgreif hervorzaubern kann. Die Schwierigkeiten der theologischen Diskussion um Liebe und Vergebung, die geführt werden, wie ein Disput um die Henne und das Ei, liegen darin, die Verwobenheit der menschlichen Natur nicht ernst zu nehmen. Die Liebe ist kein diskreter Vorgang, sondern sie hängt mit unserem Innersten zusammen, eine Sache zwar des Herzens, die aber uns vollständig ergreift.

Authentizität ist nicht die Frage
Wenn wir nun bei der Frage, ob die Beispielgeschichte Jesu von den beiden Schuldnern auf den Erzählzusammenhang paßt, gesehen haben, wie schwierig es ist, zwischen Motivationen zu unterscheiden, können wir auch die zweite Schwierigkeit klarer sehen, nämlich die, ob die Tränen der Sünderin aufrichtig oder berechnet waren. Gerade in unseren Breitengraden haben Worte wie „Authentizität“ und „Echtheit“ schon immer Hochkonjunktur gehabt. Sie werden mit einem ausgestreckten Zeigefinger vorgebracht und gelten als Gütesiegel - gerade in einer durchmoralisierten Politik.
Ich bin sehr im Zweifel, ob alle, die als authentisch gelten, sich etwas darauf einbilden sollten. Ich rate ab. Authentizität entsteht ausschließlich im Auge des Betrachters und hat mit der Wirklichkeit wenig oder gar nichts zu tun. Es ist im Zweifel besser, etwas Gutes mit halbem Herzen zu tun oder aus Gewohnheit oder weil man in Sekundärtugenden ausgebildet worden ist, als darauf zu warten, ob sich irgendwann die erhoffte Gelegenheit ergibt, eine authentische Heldentat zu vollbringen, durch die man endlich „zu sich selbst“ findet.

Das Zentrum unserer Geschichte ist jedoch nicht die Sünderin und ihre Not oder ihr Liebeskummer, das Zentrum ist die eigenartige Souveränität Jesu im Umgang mit dem Pharisäer und mit der Frau.
Beide haben auf ihre Weise Zugang zu Jesus gefunden. Simon, der Pharisäer, den die Kirchenväter mit einem geheilten Aussätzigen identifizieren, hat eine Weisheitslehre empfangen und die Frau hat ihre Herzensreinheit, ihre Unschuld wiedergewonnen.

Das Herz Jesu in Aktion
Die Begegnung mit Jesus ist für beide ein großer Gewinn. Am heutigen Sonntag feiern fünf große Berliner Pfarreien ihr Patronatsfest und knapp die Hälfte der katholischen Kirchen im Norden Brandenburgs gleich mit ihnen. Sie holen das Herz-Jesu-Fest nach, das die Kirche am vergangenen Freitag gefeiert hat. Es ist das einzige Fest, das aus der Mystik des Mittelalters hervorgegangen ist und das für Jahrhunderte eine Art Erkennungsmerkmal des Katholizismus war. Das brennende Herz Jesu war durchaus so etwas wie ein Coverfoto der Katholiken v.a. in der Zeit nach der französischen Revolution. Seine Botschaft von Liebe, Blut, Sühne, Gnade und Vergebung ist für religiös wenig musikalische Mitbürger starker Tobak - verdichtet in eine Bildersprache, die oft nicht unsere ist. Und doch ist es schade, daß das Herz Jesu und seine Botschaft verschämt beschwiegen werden, denn sie ist das Leben Christi in nuce.
Seitdem Jesus unter uns Menschen gelebt hat, haben wir den Eindruck, Gott wäre nicht ein unnahbarer, ferner und geheimnisvoller, dessen Namen niemand ergründen kann. Sondern wir haben die tiefe Erfahrung gemacht, daß es so etwas wie Empfindsamkeit in Gott gibt, eine Sensibilität für Nöte, die wir so wenig aussprechen können, wie die Sünderin die ihren bekennen konnte.
Und doch reichen manchmal Andeutungen der Liebe aus, um das Herz des Gottessohnes zu bewegen. Mag unsere Liebe noch so egoistisch und kindisch sein, mögen wir vieles tatsächlich völlig unauthentisch tun, selbst die kleine Liebe kann größer, reiner und wahrer werden, wenn sie sich mit der Liebe Christi verbindet. Jesus schenkt seine Nähe dem Pharisäer, er schenkt sie der weinenden Frau - ja er ahmt sogar das nach, was sie an ihm getan hat. Er hat die Größe, seinen Jüngern als Vermächtnis die Füße zu waschen. Das ist die eigentliche Titelgeschichte des Christentums!
Herz Jesu, sanft und demütig von Herzen - bilde unser Herz nach deinem Herzen! Amen.

Predigt am Sonntag nach Fronleichnam
6. Juni 2010
Gen 14, 18-20; 1 Kor 11,23-26; Lk 9,11b-17

Melchisedeks Opfergaben und die bleibende Gabe Christi

Die erneuerte Liturgie sieht für das Fronleichnamsfest Lesungen vor, die einerseits ganz traditionell in den liturgischen Rahmen gehören, andererseits aber auch überraschen. Im Lesejahr C hören wir die wohl historisch älteste Formulierung der Worte Jesu im Abendmahlssaal aus dem Korintherbrief, wir kennen diese Lesung von der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag. Diese Worte zitiert Paulus in mahnender Weise, um Eintracht zwischen den zerstrittenen Christen der Gemeinde zu stiften, er beschließt seine Erinnerung nämlich mit einem bedeutungsvollen Satz: „Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“
Weniger erwartbar nun sind die Lesung aus dem Buch Genesis, dem ersten Buch der Torah und das Lukasevangelium, das ein Naturwunder erzählt: die wunderbare Brotvermehrung.
Offensichtlich sind die Anklänge beider Texte allegorischer -  rein symbolischer Art. Es steht zu vermuten, daß hier gerade der Mahlcharakter der Eucharistie betont werden sollte. Die Gaben des Hohepriesters und Königs von Salem wurden ja von Abraham und seinen Leuten nach der Darbringung verzehrt und auch die Speisung der hungrigen Menschen kann assoziativ mit der Stärkung verknüpft werden, die wir geistlich empfangen, wenn wir zur Kommunion hintreten.

Der Hebräerbrief liest die Torah
Nun galt die Allegorese als Auslegungsmethode schon zur Zeit der liturgischen Neuordnung der Fronleichnamsmesse als völlig veraltet und sie hat in den vierzig Jahren danach auch nicht wirklich einen Aufschwung erlebt. Für uns wirken Symbolbezüge oft sehr fremd oder einfach künstlich, zumindest unwissenschaftlich. Das ist mir am vergangenen Montag wieder deutlich geworden, als ich den hervorragenden Vortrag von Prof. Krochmalnik aus Heidelberg hören konnte, der mittels rabbinischer Auslegung aus dem Schöpfungsbericht eine biblische Anthropologie ableitete.
Die Logik der Allegorese steht und fällt mit der Vorstellung, die Schrift sei als solche von Gott offenbart. Wir meinen oft, in oder hinter der Schrift einen Offenbarungsvorgang vermuten zu dürfen, weil wir glauben, Form und Inhalt trennen zu müssen. Mit diesem Verständnis ergeben aber die Überlegungen der großen Rabbiner keinen Sinn und auch die meisten Predigten der Kirchenväter wären unverständlich. Ja es ist sogar so, daß die Autoren des Neuen Testaments selbst eine allegorische Hermeneutik vertreten.
Sehr schön kann man dies an der Geschichte der Begegnung von Abraham und Melchisedek sehen.
Für den Hebräerbrief steht nämlich zweifellos nicht die Sättigung der Truppen Abrahams durch die Gaben des Priesterkönigs im Vordergrund. Der Hebräerbrief sieht im Leben und Sterben Jesu ein kultisches Drama, eine einzige rituelle Hingabe des Sohnes Gottes: ein Lebensopfer. Und deshalb widmet er dem König Melchisedek sein ganzes siebtes Kapitel.
Die Gaben des Melchisedek bedeuten also zum einen den prophetischen Hinweis auf ein unblutiges Priestertum, das ohne Schlachtopfer auskommt, aber das ist nicht das Wichtigste, denn auch das levitische Priestertum kennt Schaubrote und Trankopfer etc. Für den Hebräerbrief und für die in der frühen Kirche vertretene Theologie ist die Gabe Melchisedeks sicher auch deshalb wichtig, weil sie noch vor dem Bundesschluß mit Abraham in der Schrift vorkommt. Und tatsächlich, erst nachdem Abraham von Melchisedek gesegnet wurde, kommt es zum berühmten Bundesschluß. Für den Hebräerbrief ist der segnende Priesterkönig ein Vorbild Christi.

Das Übermaß des Segens Melchisedeks und das Übermaß der Brotvermehrung
Neben Brot und Wein tritt also ein drittes Symbol: der Segen des Höchsten Gottes, den Abraham und implizit seine verheißenen Nachfahren empfangen. Der Reiz, der in der Abrahamsgeschichte liegt, ist die Urtümlichkeit, der Beginn des Glaubens des Abraham ist gesegnet durch den Priesterkönig, der zu einem Vorbild des Priestertums Jesu wird. Deshalb gehört diese Perikope sehr schön in die Fronleichnamsmesse hinein.
Und auch im Lukasevangelium wird auf genau auf die priesterlichen Anklänge bei der Austeilung der Brote besonderen Wert gelegt: Jesus blickt zum Himmel auf, segnet das Brot und die Fische, und brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. (Lk 9,16)
Verbunden mit dem Lebensgeheimnis Jesu ist seine heilende und segnende Gegenwart. Für Lukas, der die Brotvermehrung mit einer Erwähnung von Krankenheilungen beginnen läßt, ist das der wesentliche Punkt: aus dem Leben des Heilandes wird den Menschen Nahrung und Heil.
Ganz besonders im Fronleichnamsfest ist dieser Gestus der bleibenden, präsenten Nähe Christi ausgedrückt. Aus der Lebenshingabe Jesu, die wie in einem Prisma sich im Abendmahlssaal vollzieht und am Karfreitag ihre Vollendung erfährt, aus dieser Lebenshingabe wird für die Welt einzigartiger Segen und Heil. Die Eucharistie ist nicht eine bloße Erinnerung an ein historisches Geschehen, sie ist eine Teilnahme an einer Wirklichkeit, die keinen Anfang hat und die fortdauert, „bis er kommt“ wie Paulus im Korintherbrief bekennt. Daran erinnert uns der König Melchisedek mit seinen Opfergaben, daran erinnert die lukanische Brotvermehrung. Die Gabe steht dabei vor dem Glauben, der Segen umfasst die Verheißung an Abraham. Teilhabe heißt hier nicht, daß wir die Gabe Christi irgenwie ersetzen könnten, aber wir können versuchen, sie nachzuahmen, gewissermaßen die Logik der Gabe verinnerlichen. Nur wer bereit ist, sich selbst zu verschenken, wir sich bewahren für das Ewige Leben.

Das immerwährende Opfer Christi und seine heilende wirkliche Gegenwart
Mir ist das eindrücklich deutlich geworden, als ich von der Ermordung meines ehemaligen Lehrers an der Gregoriana in Rom und späteren Bischofs Luigi Padovese in der Türkei am vergangenen Donnerstag erfahren habe. Bei der Beerdigung von Don Andrea Santoro (der im Jahr 2006 in Trapezunt erschossen wurde) sagte er in seiner Predigt: “Chi ha voluto cancellare la sua presenza fisica, non sa che ora la sua testimonianza è più forte”. - „Der seine physische Präsenz auslöschen wollte, der weiß nicht, daß sein Zeugnis nur noch stärker wird.“
Vom Opfer zu sprechen, ist für unsere Zeit ungewöhnlich und nicht ungefährlich. Man muß immer damit rechnen, beim Wort genommen zu werden. Das, was wir an Fronleichnam feiern, ist schlicht, daß sich Christus beim Wort nehmen ließ. Daß uns in seinem Leben in großer Tiefe etwas aufgegangen ist von Gottes barmherziger Liebe und realer Gegenwart bei uns Menschen. Und daß diese Gegenwart voller Segen und voller Heil ein Teil unserer Welt geworden ist - auch heute in dürftiger Zeit. Die Monstranz, der unscheinbare Tabernakel ist die provozierende Antwort Christi auf die Bitte der Jünger „Schick die Menschen weg!“
Danken wir ihm für seine Gegenwart und seine Liebe und bitten wir ihn um die Kraft, einander Zeugnis zu geben von dieser liebenden und heilenden Gegenwart, bitten wir um die Kraft, einander zur Gabe zu werden. Amen.

Predigt am Dreifaltigkeitsfest
30. Mai 2010

Wer 'lieber Gott' sagt, muss ein schlechtes Gewissen haben

(Léon Bloy)

Vor einiger Zeit hatte ich einen guten Bekannten zum Essen eingeladen und zahlte mit der Karte - als es ans Trinkgeld ging, hatte ich nicht das entsprechende Kleingeld und mein Freund gab mir seine Brieftasche, damit ich einige Münzen herausnehmen könnte.
Mir ist das deshalb in Erinnerung, weil ich beim Öffnen des Portemonnaies die kleinen Fotos seiner Familie sehen konnte. Er hat mir dann die Namen, die dazugehören, auch genannt.
Ich erinnere mich sehr gut daran, nicht weil es so selten ist, daß jemand seine Lieben am liebsten am Leibe trägt, sondern weil es mich angerührt hat.
Ich kannte ja seine Geschichte und wußte, daß die Ehe zerbrochen war. Die Bilder im Portemonnaie jedoch sprachen eine besondere Sprache: ich hatte den Eindruck, sie waren ein tiefes Eingeständnis, dessen, daß er bei weitem nicht damit abgeschlossen hatte. Diese kurze Sekunde war wie ein Blick in einen Abgrund und man konnte darin auch viel Schmerz und viel Leid sehen und sehr viel Liebe.

Gott spricht über etwas, über das man nicht sprechen kann
Wie über etwas sprechen, worüber man nicht sprechen kann? Wenn wir heute über unseren Glauben sprechen würden, nicht über das Nebensächliche und Unerträgliche, sondern über die Fundamente des Christentums, über die wesentlichen Überzeugungen, die zu unserer Religion gehören, würde heute jemand allen Ernstes auf die Idee kommen, wie einst St. Patrick mit der Dreifaltigkeit (und zwar mit einem dreiblättrigen Kleeblatt) zu beginnen? Wir klagen zwar manchmal unter Theologen darüber, daß die zentralen Wahrheiten unseres Glaubens für unser alltägliches Leben irrelevant geworden sind, aber tun wir etwas dagegen?
Wenn man einer Klassifikation der frühen Religionswissenschaft folgen möchte, kann man Religionen in sogenannte Naturreligionen und solche mit einer kodifizierten Offenbarung unterscheiden; Religionen also, die einen bestimmten Schatz an Traditionen in schriftlicher Weise tradieren und die mit diesen Schriften einen weisheitlichen Zugang zu dem Unergründlichen verbinden, zu Gott.

Warum sollte ein Gott den Menschen irgend etwas offenbaren? Die Antwort des modernen Menschen ist hier ganz eindeutig: um ihm Orientierung zu geben, Lebenshilfe. Und da gibt es viel zu offenbaren, denn die Probleme, die der Mensch aus eigener Kraft zu lösen vermag, verschaffen ihm immer neue. Für die Geheimnisse der Natur brauchen wir keine Religion, glauben wir, da reicht die moderne Wissenschaft. Wir lächeln über die Naturreligionen. Die Geheimnisse des Zusammenlebens der Menschen aber scheinen so kompliziert zu sein, daß damit selbst die Religion überfordert ist.
Dieser Zugang über die Lebenshilfe scheint plausibel, ist aber doch recht eng. Denn dann ist Religion nur etwas für Leute, die irgendwie nicht zurechtkommen. Wenn religiöses Wissen sich nun auf eine weisheitliche Ethik beschränkt - dann kann es nicht der Gott der Christen sein. Hier geht es nicht nur um eine transzendente Norm: Handle so und du wirst leben! (Lk 10,28)
Das Christentum ist der Meinung, daß Gott seine Liebe zu den Menschen nicht nur dadurch beweist, daß er sie gleichsam „an die Hand seines Gesetzes nimmt“, sondern es ist der festen Überzeugung, daß auch etwas sagen kann über das Unbegreifliche, das wir Gott nennen.
Offenbarung ist nicht Wissen besonderer Art, das man auch auf andere Weise erringen könnte, sondern weitaus mehr und das ist mir in der kurzen Sekunde wieder neu aufgegangen, wo mir mein Freund die Namen seiner Kinder zu den einzelnen Photos genannt hat.
Gott hat auf vielerlei Weise versucht, den Menschen zum Glück zu führen - viele Male und auf vielerlei Weise - wie der Hebräerbrief sagt - letztlich aber hat er uns das gezeigt, was ihm am liebsten ist: Seinen Sohn. Und er hat ihn uns nicht nur gezeigt, sondern auch in unsere Hände gegeben.
Das Fest, das wir heute feiern ist eine Zusammenfassung dessen was wir an Ostern und Pfingsten gefeiert haben, wir wissen seitdem: Gott ist die Liebe, er versucht uns auf alle mögliche Weise in diese Liebe hineinzunehmen. Und deshalb kann Gott überhaupt nur dreifaltig sein. Nun ist die Rede von Gott und Liebe eine Sache, die nicht leicht von den Lippen geht.

Das Zeugnis ist die Sprache der Liebe
„Wer lieber Gott sagt, muss ein schlechtes Gewissen haben“, so Léon Bloy, „Ich kann mir beim besten Willen keinen Märtyrer vorstellen, der dieses Adjektiv gebraucht.“ Und warum? „Der liebe Gott des Bürgers ist eine Art Kommis, (ein Bürogehilfe) dem er nicht traut und auf den kein Verlass ist.“
Doch Bloy irrt, wenn er meint, daß Liebe mit Harmlosigkeit zu verwechseln ist. Es gibt auch die Erfahrung Pascals - Gott als Feuer. Die Liebe Gottes ist alles verzehrendes Feuer und sie ist genau die Freiheit, nach der wir uns so sehr sehnen.
Gerade heute, wo Religion häufig mit Sicherheit, Konservatismus, und System assoziiert wird, ist es notwendig, vom Wesen Gottes zu sprechen, das Liebe ist.
Zu dem logisch nicht Erkennbaren haben wir nicht Zugang, in dem wir besonders clever sind, sondern indem wir seine Seinsweise nachahmen.
Gott ist Liebe, das ist der wichtigste Grund, warum wir am Dreifaltigkeitsfest über das Geheimnis Gottes nachdenken. Wenn da nur ein Gott ist und wenn das Zeugnis der Schrift wahr ist, dann ist Gott dreifaltig. Wen oder was sollte ein einsamer Gott vor der Erschaffung der Welt lieben? Wenn das, was Christus über den Vater gesagt hat, das wir die ganze Osterzeit über im Johannesevangelium gehört haben, stimmt, dann kann es nicht anders sein. Durch die Sendung des Sohnes in unsere Welt und die Sendung des Geistes in unsere Herzen, sind wir Mitwisser geworden.
Wir haben die Möglichkeit, einen kurzen Blick in das Innerste Gottes zu tun. Deshalb stimmt die Bemerkung Bloys auf eine andere Weise doch: Wer vom lieben Gott spricht, muß ein schlechtes Gewissen haben! Denn er spricht von einer unendlichen Liebe und ist doch selbst kein Liebender geworden. Er schaut in einen Abgrund und macht weiter, als wäre nichts gewesen. Bitten wir Gott, um das Geschenk des Heligen Geistes, der unsere Herzen heilt vielleicht gerade auch in und durch die kurzen Augenblicke unseres Lebens, in denen wir Zeugen einer großen Liebe werden durften. Amen.

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