Freitag, 13.01.2012, 16.00 Uhr

"Totgesagte leben länger..." - Glaube und Vernunft nach der Säkularisierung

1. BERLINER OBERSTUFENFORUM

Akademietagung

Einem Glauben anzuhängen oder aber auch, einer Religion anzugehören, das kann und konnte man schon immer ganz einfach und ohne sich hierzu selbst mit Wissenschaften wie der Theologie oder der Religionsphilosophie beschäftigen zu müssen. Nicht selten hört man auch die These, dass dies die "ganz natürliche" Art zu glauben sei: die eigenen Eltern machen das Kind mit den Vorstellungen und Riten ihrer Religion vertraut, führen es in die Gemeinschaft ein, und dann wächst der Glaube in dem jungen Menschen weiter, bis er selbst diese Gemeinschaft mittragen kann. Entgegen dieser „traditionellen“ Auffassung aber bleiben Anfragen: Ist es schon genug, nur mitzumachen - wo ist denn mein Zutun? Was, wenn Eltern oder Umgebung keinem religiösen Glauben anhängen oder es keine stabilen Gewohnheiten gibt, in die man hinein genommen werden kann? Und wäre ein Glaube, den man erst finden und entdecken muss, weniger wert?

Der kanadische Philosoph Charles Taylor hat in seinem Buch A Secular Age (2007) die These vertreten, dass für die Menschen (vor allem in unseren Breiten) der Glaube an Gott mehr und mehr zur „Option“ geworden ist, für oder gegen die man sich entscheidet. Ihm geht es dabei ausdrücklich nicht um die Behauptung, sich eine beliebige Religionsgemeinschaft oder auch areligiöse Weltanschauung nach Belieben auswählen zu können, wie etwa ein Produkt im Supermarkt, sondern darum, dass auf einem langen Weg der vom Christentum geprägten europäischen Gesellschaften die Idee, dass wir in einer Welt ohne Gott leben könnten, zu einer Alternative des Gottglaubens geworden ist. Der persönliche, individuelle Zweifel im Glauben, aber auch die Debatte zwischen den Anhängern verschiedener Glaubensrichtungen und ihrer Bestreiter, erweisen sich vor diesem Hintergrund als eine kulturelle Lage dar, die über das Nachdenken des Einzelnen weit hinausreicht.

Wo Weltanschauungen bestritten werden, wo neben den Glauben der Zweifel tritt, wo dem Atheisten eine Vielzahl von Religionen ihre je eigene Schönheit zeigen wollen, da werden Religion und Glaube auch zu einem Gegenstand der intellektuellen Auseinandersetzung. Man trifft als Mensch stets auf andere Bekenntnisse und Weltdeutungen, religiöse, areligiöse und solche, die sich nicht als eigentliche Weltanschauung zu erkennen geben - maskierte Religionen sozusagen. Und man findet, tief in der eigenen Brust, manche jener Konflikte wieder, vor denen man sich angesichts des Streits auf der Bühne noch sicher glaubte.

Mit Glaubenden anderer Religionen und Kritikern der Religion argumentieren und streiten zu können, vor allem aber, den eigenen Zweifeln offen begegnen zu können, ist keine leichte Aufgabe. Gläubige Katholiken und Protestanten, Muslime und Juden wachsen heute in einer Welt auf, in der Arbeit und Geld, wissenschaftliche Erkenntnis und politische Macht, Technik und Medien den Alltag bestimmen, ebenso wie zentrale Dimensionen unserer Orientierung im Leben. Welche Rolle in dieser Welt Glaubensinhalte und die Ausübung der eigenen, religiösen Praxis spielen kann, wie sich Religion zu Wissenschaft, Glaube zu politischer Meinung und religiöse Riten zu gesellschaftlichen Gewohnheiten verhalten, all dies gilt es als Fragen ernst zu nehmen, auch und gerade, wenn die Antwort schwierig ist. Philosophie und Theologie versuchen dies seit Jahrhunderten. Sie sind nicht bloß „Disziplinen“ und „Wissenschaften“, die man studieren kann, sondern selbst auch Schulen des Denkens, die über Orte und Zeiten hinweg die Gottesfrage und ihre Konsequenzen für das Leben eines jeden einzelnen Menschen ernst nehmen.
Das OBERSTUFENFORUM bietet Berliner Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich im Gespräch mit renommierten Wissenschaftlern der Theologie und der Religionsphilosophie anzunähern, interessante Stücke dieser Denktradition kennen zu lernen und dabei selbst eine intellektuelle Position im Umgang mit dem eigenen Glauben und den Weltanschauungen anderer zu erarbeiten. Schwieriges wird dabei nicht plötzlich leicht, aber es wird deutlich, dass auch das Schwierige nicht unerträglich ist, ja dass wissenschaftliches Nachdenken über die Religion den eigenen Glauben nicht gefährden muss und selbst zu einer Quelle der Inspiration werden kann. Hierzu laden die Katholische Akademie und die Abteilung Religionsunterricht des Erzbistums Berlin gemeinsam ganz herzlich ein.

Zum ersten OBERSTUFENFORUM haben wir den Frankfurter Philosophen Thomas M. Schmidt eingeladen. Er wird uns zum religionsphilosophischen Klassiker-Thema Glauben und Vernunft einen Vortrag halten, wobei er seine Überlegungen in den Rahmen der aktuellen Forschungen zur Säkularisierung stellt. Als Religionsphilosoph hat er sich ausführlich mit den Positionen seines Lehrers Jürgen Habermas in diesem Feld auseinandergesetzt. Schmidt interessieren vor diesem Hintergrund auch die sog. Diskurstheorie und zentrale Fragen der Politischen Philosophie und der Erkenntnistheorie. Wichtige Autoren sind für ihn neben Jürgen Habermas auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel und die amerikanischen Pragmatisten William James und John Dewey.

In der nebenstehenden Spalte finden Sie/findest Du einen Text von Thomas M. Schmidt zum Thema, der 2007 in der Zeitschrift FUGE erschienen war. Außerdem ist hier auch die Power Point Präsentation des Vortrags von Thomas M. Schmidt dokumentiert.

Gastreferenten: Professor Dr. Thomas M. Schmidt, Religionsphilosoph in Frankfurt am Main

Ort: Katholische Akademie in Berlin

Referent

Dr. Martin Knechtges

Philosophie, Junge Akademie, FUGE Journal

Kooperationspartner

Abteilung Religionsunterricht des Erzbistums Berlin

Veranstaltungskontakt

Katholische Akademie in Berlin e.V.
Hannoversche Str. 5, 10115 Berlin

Tel. (030) 28 30 95-0
Fax (030) 28 30 95-147

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