Literatur und Theologie
Theologie und Literatur verbindet eine wechselvolle Geschichte, die mit ihrer Einheit in der Poesie beginnt. So war in vorchristlicher Zeit Theologie die griechische Bezeichnung für die Göttermythen, für religiöse Dichtung und den Gesang der Götter. Die christliche Theologie begegnete dieser Einheit seit ihren Anfängen mit deutlicher Skepsis und verstand sich (nicht immer zu ihrem Vorteil ) zunehmend als poesiefreie Wissenschaft.
Seither haben sich die Zeiten geändert. Theologie und Literatur gehen seither eigene Wege, aber treffen dabei immer wieder aufeinander. Wo sie sich begegnen, können sie voneinander lernen. Poesie und Literatur verleihen dem christlichen Glauben neuen sprachlichen Ausdruck und zeitgenössische Literatur vermittelt überraschende Einsichten in die biblischen Texte und ihre poetische Kraft. Die Theologie ihrerseits erinnert die religiöse Tiefendimension literarischer und ästhetischer Erfahrungen sowie das enge Verhältnis von Sprache, Spiritualität und Frömmigkeit, das auch nach der verlorenen Einheit in der Poesie der Alten wirksam bleibt.

