Montag, 15.03.2010, 09.30-16.00 Uhr
Christlicher Humanismus
Studientag // in Kooperation mit der Abteilung Fortbildung des Erzbistums Berlin
Können die Christen den Humanismus links liegen lassen? Was wie eine Debatte mit dem neuen Atheismus klingt, ist vielmehr eine Selbstbesinnung auf das Verhältnis zur Vielfalt der humanistischen Gedankenwelt. Ein Studientag nicht nur für Lehrende.
Nicht erst im Gespräch mit jenen weltanschaulichen Kräften des Laizismus oder des Neuen Atheismus, die sich den Begriff Humanismus in den Namen geschrieben haben, wird es für Christen zum Ärgernis, dass dieser Begriff in der allgemeinen Verwendung weitläufig und vage ist. Nein, auch unabhängig von politisierten Konflikten ist es ein Mangel für Glaubende und Kirche, wenn man die unter Humanismus subsumierten ideengeschichtlichen Epochen, ideologischen Kraftfelder und philosophischen Sprachspiele nicht genauer kennt und einordnen kann: Zu nahe stehen uns allen Ausdrücke wie „humanitäre Hilfe“, „das Menschliche“ oder „Humanität“, als dass wir es uns leisten sollten, den Gedankenstrom des Humanismus unangefochten preiszugeben oder sich von ihm per se zu distanzieren.
Vor diesem Hintergrund unternahmen die Veranstalter mit einem Studientag den Versuch, die zentralen Ideen des Humanismus zu benennen, seine Wurzeln und Geschichte zu studieren und diejenigen geistigen Strömungen systematisch einzuordnen, die vornehmlich seit der Aufklärung mit dem Etikett „Humanismus“ belegt worden sind. Dieser weite Begriff des Humanismus tritt häufig in ein Spannungsverhältnis zum Christentum und verkennt dabei die historischen Wurzeln des Humanismus in der Renaissance, der wie bei Petrarca (1304-74) ausdrücklich anknüpft an die Lektüre der antiken Philosophie durch Augustinus (354-430) aus dem Geiste einer christlichen Weisheit. Hier ist historische Aufklärungsarbeit angezeigt, die die Grundlage für ein tragfähiges Konzept eines christlichen Humanismus bilden soll.
Ziel des Studientages war es, mithilfe von Vorträgen, Gesprächen und Textarbeit Berliner und Brandenburger Lehrkräften (Grundschule wie weiterführende Schulen) den Zugang zu einigen zentralen weltanschaulichen Fragestellungen rund um Atheismus, Agnostizismus und Glauben zu erleichtern und insbesondere im Feld der Debatte um die Menschenbilder in Christentum und anderen weltanschaulichen Philosophien Differenzierungen im Verständnis des Humanismus herauszuarbeiten, der auch heute eine Orientierung zu bieten hat.
Literaturhinweise
Zugang
Jacques Maritain Christlicher Humanismus
Pauls Oskar Keller Humanismus und Renaissance I
Humanismus und Renaissance II
Römische Perpsektiven
D’Arcais/Ratzinger Gibt es Gott?
Ratzinger Der Sieg der Einsicht über die Welt der Religionen
Speer Benedikts XVI. Unbehagen am Mittelalter
Johannes Paul II Ansprache an die Wissenschaftler und Studenten im Kölner Dom
Klassische Quellen zum Humanismus
Pico Rede über die Würde des Menschen (1486/87)
Petraca Über seine und vieler anderer Unwissenheit (1370)
Erasmus Handbüchlein eines christlichen Streiters (1501)
Augustinus De trinitate (um 410)
Aquin Kommentar zum Trinitätstraktat des Boethius I (um 1256)
Summa theologiae (1266-73)
Gastreferenten: Prof. Dr. Andreas Speer, Universität zu Köln -Forschungsschule a.r.t.e.s./Thomas Institut
Ort: Katholische Akademie in Berlin

